CDU Ortsverband Essen-Rellinghausen/ Stadtwald
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17.01.2012, 19:30 Uhr
"Erfahrungen bei der Erinnerungsarbeit in Essen"
Bericht zum Vortragsabend mit Staatsanwalt Dr. Schmalhausen
Am 17.01.2012 war Staatsanwalt Dr. Bernd Schmalhausen auf Einladung der CDU Rellinghausen/Stadtwald zu Gast im Brauhaus "St. Lambertus" in Essen Rellinghausen. Er berichtete über seine Erfahrungen, die er bei der Aufarbeitung des nationalsozialistischen Vergangenheit gesammelt hat, welche sowohl positiver wie auch negativer Art waren.

Seinen Abschluß fand der für alle Anwesenden interessante Abend mit einer Schilderung seines jüngsten Anliegens, für die nach 1941 Minsk deportierten und dort ermordeten Essener Mitbürger (unter anderem einem Freund des späteren Bundespräsidenten Heinemann) eine Gedenktafel zu errichten zu lassen, wofür aber noch Geldgeber gesucht werden.

Dr. Bernd Schmalhausen (rechts) berichtete über seine Recherchen zum Schicksal der jüdischen Mitbürger
Den Vortragsabend eröffnete Dr. Schmalhausen mit einer kurzen Einleitung, wie er als Staatsanwalt dazu gekommen ist, sich mit historischen Themen, insbesondere dem der Juden im Dritten Reich, auseinanderzusetzen. Historisches Interesse sei bei ihm schon früh vorhanden und sein eigentlicher Berufswunsch Journalist gewesen, aber dann habe er sich für Jura entschieden. Während seines Studium freundete er sich Anfang der siebziger Jahre mit einem israelischen Studenten an. Dadurch begann er sich mit der Situation von Juden und Israelis in Deutschland gerade im Hinblick auf die leidvolle Vergangenheit auseinanderzusetzen, verstärkt noch durch die fließend in Antisemitismus übergehende Israelkritik seiner damals zu großen Teilen links(-radikal) eingestellten Kommilitonen.
Anstoß zu einer intensiveren Beschäftigung mit der neuen deutschen Geschichte war für ihn, als er Anfang der 90er Jahre aus einer kurzen Zeitungsnotiz erfuhr, daß Berthold Beitz in Yad Vashem einen Baum in der „Allee der Gerechten unter den Völkern“ habe pflanzen dürfen, da er während des 2.Weltkriegs Juden vor dem Tod gerettet habe. Diese Ehrung habe so gar nicht in sein Bild von Beitz gepaßt. Also habe er begierig darauf gewartet, daß in der Zeitung genaueres über die Hintergründe der Ehrung berichtet werde – was aber nicht geschah. Also habe er sich selbst an die Recherche gemacht, wobei es ihm durch seine Tätigkeit als Staatsanwalt leicht gefallen sei, an die entsprechenden Ermittlungsakten zu NS-Verbrechen zu kommen. Ferner nahm er Kontakt zu Berthold Beitz auf, welcher sehr erfreut über das Interesse seinen Handlungen zu dieser Zeit war. Die Ergebnisse dieser Recherchen verarbeitete er in seinem ersten Buch "Berthold Beitz im Dritten Reich".
 
Neben dieser positiven Erfahrung mit der Beschäftigung mit der NS-Vergangenheit wußte Dr. Schmalhausen aber auch über negative Erfahrungen zu berichten. Diese machte er, als er sich der Essener Justiz zuwandte, welche in vorauseilendem Gehorsam schon Anfang 1933 ihre jüdischen Kollegen aus ihren Reihen ausgeschlossen hatte. Während das Bild des damaligen Landgerichtspräsidenten, welcher sich bei der Entlassung der jüdischen Juristen besonders eifrig und mit deutlich antisemitischer Hetze hervorgetan habe, in der Ahnengalerie des Landgerichts gehangen habe, sei kein Hinweis auf die verfolgten und ermordeten Juristen vorhanden gewesen. Gegen große Widerstände und auch Desinteresse ist es ihm doch Beharrlichkeit aber gelungen, daß durch Spenden finanziert eine entsprechende Gedenktafel im Landgericht angebracht worden sei. Eine Frucht dieser Auseinandersetzung mit der Vergangenheit der Essener Justiz ist sein Buch "Schicksale jüdischer Juristen aus Essen 1933-1945".
Im Zuge der Recherchen zu diesem Buch ist er auch auf Hermann Ferse gestoßen, der Anfang der 1930er Jahre Landgerichtsdirektor in Essen und ein Freund des späteren Bundespräsidenten Gustav Heinemann war. Wegen seiner jüdischen Abstammung enthoben ihn die Nationalsozialisten des Amtes und deportierten ihn 1941 ins Ghetto in Minsk. Wann die Ferses ermordet wurden, ist unbekannt. Bei einem Besuch in Minsk sah er, daß dort viele Städte, z.B. auch Düsseldorf, ihrer Toten mit eigenen Gedanktafeln gedachten. Für die 280 ermordeten Essener allerdings fehle ein solche Gedenktafel. Die Anwesenden stimmten mit Dr.Schmalhausen damit überein, daß es eine schöne Geste der Stadt wäre, wenn eine solche Tafel, welche ca. 3000 Euro kosten würde, auch für die Essener Opfer aufgestellt werden würde.
 
Die kommunalen Mandatsträger der CDU Rellinghausen/Stadtwald werden versuchen, daß diesem Mißstand abgeholfen wird und die Opfer nicht in Vergessenheit geraten, sondern ihnen zumindest im Tode ein kleiner Teil ihrer Würde durch einen Gedenkstein wiedergegeben wird. In Anbetracht der leeren kommunalen Kassen ist dies aber kein leichtes Unterfangen, so daß sich gerne auch private Spender mit uns oder Herr Dr. Schmalhausen direkt in Kontakt setzen können.
 
Wir danken Herrn Dr. Schmalhausen für den interessanten und informativen Abend und hoffen, daß er sich weiterhin so fruchtbar mit der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit auseinandersetzen können wird, damit die Opfer nicht vergessen werden.
Bilderserie
aktualisiert von Martin Rosenthal, 12.07.2012, 10:16 Uhr